Pedro de Gante

ein Flame initiiert die christliche Mission Zentralmexikos

 

 

Text und Fotos:  Jelle Haemers (Gent)

November 2008

versión español

Berichte über Hernán Cortés

  ____________________________________________

Pedro de Gante wurde ca. 1480 in der Stadt Gent (in Flandern, im heutigen Belgien) geboren. Historiker gehen davon aus, dass sein tatsächlicher Name Pieter de Muer oder Pieter von der Moeren lautete. Im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts waren mehrere Studenten mit dem Eintrag "Petrus de Gandavo" in der Universität Leuven immatrikuliert, und der spätere Mönch ist wahrscheinlich einer von ihnen gewesen. Wann er in das Franziskanerkloster von Gent eintrat, ist nicht bekannt, doch es ist sicher, daß er von dort aufbrach, als er seine Heimatstadt 1522 verließ. Dem päpstlichen Aufruf Leos X. (Bulle "Alias Felicis") vom 25. April 1521 Folge leistend reiste er zusammen mit zwei Mitbrüdern (Joannes de Aora und Joannes de Tecto) nach Spanien und überquerte mit ihnen in einer stürmischen Überfahrt den Atlantik: Mai 1523 Sevilla - August des gleichen Jahres Vera Cruz.

Franziskanerkloster in Gent

Franziskanerkloster in Gent

Die drei flämischen Mönche waren - abgesehen von den Feldgeistlichen unter Cortés - die ersten Missionare im "heidnischen" Neuspanien. Zunächst beschränkten sie sich darauf, die jungen indianischen Fürstensöhne zu unterweisen und die zentralmexikanischen Hauptsprachen zu erlernen. Nach der Ankunft der ersten spanischen Frailes (der "Doze") begann das eigentliche Missionswerk. Pedro de Gante gründete ein Konvent in Texcoco. Seine beiden Mitbrüder starben früh, möglicherweise auf dem Hondurasfeldzug des Hernán Cortés um 1525. Pedro de Gantes Missionstätigkeit hingegen war zunehmend erfolgreich, was auch die Aufmerksamkeit des Cortés erregte. Er rief Pedro de Gante nach Mexiko-Stadt, damit er dort ein Netzwerk von Schulen errichte. Zusammen mit den neu aus Spanien angekommenen Mönchen ermöglichte  Fray Pedro eine sich schnell ausbreitende Evangelisierung in Neuspanien. Seines und das seiner Mitbrüder religionspolitische Zentrum wurde die offene Kapelle San José de Belén in Mexiko-Stadt. Dort wurden ein Konvent, mehrere Schulen, ein Hospital und eine Bibliothek errichtet. Nach diesem Muster gründeten die Franziskaner in den 1520er und 1530er Jahren mehrere Kirchen und weitere Konvente auch außerhalb der Stadt Mexiko. Hier wurden nicht nur das Wort Gottes verbreitet, sondern ebenso verschiedene europäische Handwerkskünste. Gante rief darüber hinaus eine Reihe von Brüderschaften und halbreligiösen Vereinigungen ins Leben, so wie sie in den Niederlanden (d.h. den späteren "Spanischen Niederlanden", zu denen auch Flandern gehörte) und in Spanien bestanden. Diese Verbünde dienten dazu, die sozialen und politischen Aktivitäten der Einheimischen wie auch der neu angekommenen Europäer in kontrollierbare Bahnen zu lenken. Vor diesem Hintergrund ist die Bedeutung Pedro de Gantes für die Missionierung Neuspaniens kaum zu überschätzen.

Fray Pedro de Gante

Fray Pedro de Gante

Während seines späteren Lebens wurden seine politische und religiöse Bedeutung in Mexiko angefochten. Möglicherweise hatte er die politischen und militärischen Vorgehensweisen der Conquistadoren kritisiert, wie zahlreiche Briefe von ihm an Kaiser Karl V. andeuten. In diesen Briefen prangerte er die Grausamkeiten der Conquistadoren an und bewertet sie als seinen Evangelisierungsbestrebungen hinderlich. In den 1560er Jahren mußte er die Stadt Mexiko verlassen, kehrte jedoch kurz darauf wieder zurück. 1569 wurde er allerdings krank  und starb im April 1572. Sein Grab befand sich in der Kapelle von San José, die heute zerstört ist. Lediglich die "Calle de Gante" stellt vor Ort noch eine bescheidene Erinnerung an ihn dar.

Gedenktafel an Fray Pedro de Gante in Gent

Gedenktafel an Fray Pedro de Gante in Gent

Weitere Zeugnisse seiner Evangelisierungstätigkeiten in Neuspanien sind mehrere Werke, die Pedro de Gante während seines Lebens als Missionar verfaßte - z.B. der "Catecismo de la doctrina cristiana", die "Doctrina cristiana en lengua mexicana" und zahlreiche Briefe, in denen von seinen missionarischen Aktivitäten berichtet wird.

Drei Portraits von ihm sind tradiert, und einige Straßen in Mexiko tragen seinen Namen. In seiner Geburtsstadt Gent wird seiner seit 1947 in Form einer Gedenktafel erinnert. Das Franziskanerkloster, in dem er lebte bevor er Gent 1522 verließ, wurde nach der französischen Besetzung Frankreichs zerstört und abgerissen. In den 1940er Jahren diente er als "leuchtendes Beispiel" für die Missionare in Belgisch-Kongo, doch die Erinnerung an ihn verblaßte infolge der Säkularisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Fernsehshow "Bedeutendster Belgier" von 2001 kam Fray Pedro auf den 99. von 100 Plätzen ...

belgische Schrift über Fray Pedro de Gante