Berichte über Hernán Cortés

Medellín

Die Heimatstadt des Hernán Cortés

Felix Hinz
2005

 

"Hernán Cortés stammte aus einer der aufsässigsten Familien in der rebellischsten Stadt, Medellín, in der Estremadura, der gewalttätigsten Gegend von Kastilien", heißt es bei Hugh Thomas (Die Eroberung Mexikos 1993, 174). Immerhin gehörte die in der Burg von Medellín residierende Gräfin Beatriz Pacheco zu den härtesten Widersacherinnen Königin Isabellas der Katholischen - und Martín Cortés, der Vater, war ihr Gefolgsmann. In der damaligen calle de Feria befand sich das Haus, in dem Hernán geboren wurde. Der entsprechende Ort ist heute durch einen Wappenstein und dem einzigen erhaltenen Überrest des Hauses markiert: einen Türsturz mit der nur noch schwer zu entziffernden, die Muttergottes verehrenden Inschrift "TOTA PVLCRA ES[T] VIRGO ET MACVLA NON EST INTE / AN. / MDLXXIII".

Auf dem Platz befindet sich heute eine der wenigen Cortés-Statuen. Sie wurde 1890 von Eduardo Barrón gefertigt und zeigt den Eroberer in Siegespose, den linken Fuß und die Fahne mit Kreuz auf die Trümmer der mexicanischen Religion gestellt. In voller Rüstung, den Feldherrenstab in der Rechten und den Blick fest in die Ferne geheftet wirkt das Kunstwerk sehr martialisch. An den vier Seiten des hohen Sockels befinden sich die Namen der größten militärischen Erfolge des Hernán Cortés: MEJICO, TABASCO, TLASCALA, OTUMBA.

Ursprünglich stammt dieser Wappenstein von dem Franziskanerkloster bei Medellín, das Hernán Cortés als Grablege für seine Eltern durch Zuwendungen aus Mexiko ausbauen ließ. Es ist dies der einzige erhaltene Überrest des Klosters, das 1834 aufgegeben wurde.

Don Xavier López Medellín am Taufbecken des Don Hernán Cortés

Wenig hat sich in Medellín erhalten, was sich sonst direkt mit Hernán Cortés in Verbindung bringen läßt. Alle schriftlichen Dokumente wurden beispielsweise durch einen Brand im Rathaus vernichtet. Noch immer kann man jedoch das alte Taufbecken betrachten, in dem wohl Hernán Cortés (genauso wie Gonzalo de Sandoval und die übrigen aus Medellín stammenden Conquistadoren Alonso Hernández Portocarrero, Andrés de Tapia, Pedro Melgarejo, Rodrigo de Paz, Diego Altamirano, Juan de Sanabria, Rodrigo de Villafuerte, Diego de Godoy und der alte Rodrigo Rangel) getauft worden sein müssen. Er befindet sich in der kürzlich restaurierten Kirche San Martín. In dieser Kirche ist Cortés als Kind auch Meßdiener gewesen und hat hier seine charakteristische Volksfrömmigkeit ausgebildet.

Im Familienbesitz der Cortés befand sich neben einigen Bienenstöcken südlich von Medellín, einem Weinberg im Tal des río Guadiana auch eine Mühle am río Ortigas, einem Nebenfluß des río Guadiana. Wohl aus späterer Zeit hat sich am río Guadiana eine einzige dieser Wassermühlen erhalten.

Hernán Cortés verzichtete nach der Conquista darauf, seine Anwesen in Medellín auszubauen und sich etwa einen Stadtpalast zu errichten. Seinen dortigen Besitz vermachte er einem seiner Neffen.

Neuerdings wurde auf der Burg ein "Museo de la Conquista" eingerichtet, das allerdings nur aus dem oben abgebildeten Raum besteht. Ausgestellt werden Replikate von Conquistadorenwaffen sowie die Wappen der berühmtesten Gefolgsleute des Cortés.

In der calle Palacios 11 findet sich noch ein weiterer interessanter Überrest, der mit Cortés zusammenhängt: Es handelt sich um das Portal des mittlerweile abgerissenen Hauses der Portocarreros, des adeligsten Geschlechtes in Medellín, dem auch die Grafenfamilie entstammte. Alonso Hernández Portocarrero, ein Neffe des Grafen, zog mit Cortés nach Mexiko, wurde von diesem mit dem ersten Bericht 1520 zu Karl V. nach Spanien zurückgeschickt und war der erste Ehemann der Malinche.

Blick von der Burg hinunter auf Medellín. Rechts die Kirche San Martín.

 

Literatur:

García Sánchez, Francisco: El Medellín extremeńo en América. Don Benito 1992

Testimonios artísticos de Medellín (Extremadura), hrsg. von S. Andrés Ordax, C González Tojeiro, P. Mogollón Cano-Cortés u. A. Navareńo Mateos, Mérida 1992

 

Salamanca

Cortés hat angeblich einige wenige Semester in Salamanca Jura studiert. Hieran erinnert eine - ausgerechnet - mexikanische Gedenktafel in den salmantinischen Escuelas Mayores. (Cortés jedoch kann lediglich die Escuelas Menores besucht haben.)